
Bevor ich dazu komme wie alles nach meinem ersten, eher katastrophalen Ausflug in die Welt der Bühnen und Musik in Graz weitergeht, denke ich ist es ein paar Zeilen wert, noch einmal die "goldenen" Zeiten des 90Grad in Berlin zu beleuchten.
Zu der Zeit als ich bei Zoom arbeitete war das 90Grad in Berlin der Hotspot für VIPs, russische und jüdische reiche Mädchen vom Ku`Damm und Möchtegern Kids von den besseren Gymnasien in Berlin.
Um Ehrlich zu sein weiß ich nicht mehr genau, wie warum oder was mich dort hin verschlagen hat, aber irgendwann war ich eben dort.
Nach einigen Samstagen im 90Grad drehte sich bald auch bei mir viel darum: was zieh ich an, mit wem gehe ich dort hin und so weiter.
Für mich war es dort immer wie ein Käfig voller Idioten, und ich mitten drin.
Parties und Alkohol mochte ich nie. Ich denke das liegt daran, wie ich aufgewachsen bin, und heute liegt es daran das man in dem Mediengeschäft zu oft geschäftlich auf Events muss, socialisen, Kontakte knüpfen und so weiter.
Meine Schwester Yasemin hatte mit Ihrem jetzigen Ehemann als ich noch sehr jung war ab und an Events organisiert auf denen ich dann entweder an der Bar oder an der Tür ausgeholfen habe. So lernte ich auch Smiley kennen, meinen Onkel, meinen Fels in der Brandung und immer noch ein fester Bestandteil im Berliner Nachtleben und meinem Leben den ich nicht mehr missen möchte. Ebenfalls lernte ich Fabian A. kennen, von dem alle damals davon ausgingen er würde mein zukünftiger Ehemann werden, aber dazu vielleicht an passender Stelle mehr.
Zurück zum 90Grad oder auch dem Marktplatz der Eitelkeiten, dem Sumpf aus Drogen, Alkoho, Prostitution und Möchtegern VIPs.
Irgendwann lernte ich immer mehr Leute dort kennen und war ein fester Bestandteil des Inventars. Sei es nun O. Juhnke, ein Zahnarzt aus Berlin Charlottenburg oder auch diverseste VIVA Moderatoren.
Mir wurde schnell klar, das all diese Menschen eigentlich einsam sind. Jeder profilierte sich, jeder feierte den anderen und vor allem sich selbst.
Eines wiederholte sich jeden Abend aufs neue: Die Highsociety von Berlin verschwand alle 5 Minuten in ein Hinterzimmer, ich nenne es Abstellkammer, für diese armen Seelen war es wohl der special VIP Bereich. Was dort passierte? Na was wohl: sie gingen rein mit einem Wodka Red Bull in der Hand und kamen heraus mit einem breiten Lächeln. Kokain war in den 90ern zwar noch nicht so populär wie es jetzt ist, aber nach Ecstasy die zweitbeliebteste Droge.
ich denke das meine über alles geliebte Mutter damals zum ersten mal Angst bekam das ich Drogen abhängig werden könnte.
Es muss eines Abends gewesen sein das mein Augenmerk ganz besonders auf einen jungen Mann fiel: Sebastian R.
1992 gewann er den "Gesicht" Modelnachwuchswettbewerb und moderierte eine Single Show auf SAT 1.
Er war groß, hatte ein ansteckendes Lachen und war immer von jeder Menge Leute umgeben.
Bevor sich das hier gleich anhört wie eine Liebesgeschichte und ein schlimmer Kitsch Roman, so war es nun wirklich nicht. Eher war es für mich eine Fallstudie.
Dieser junge attraktive Mann, der vor dem Gewinn dieses Model Contests sicher ganz normal auf einem Gymnasium in Berlin seine Bahnen zog, war auf einmal ein Gesicht im öffentlichen Leben. Alle zogen und zerrten an ihm und sein Gesicht wurde als Produkt vermarkter wie eine neue Sorte Joghurt für die Mann massig Anzeigen schaltet Werbespots dreht und irgendwann kann man den Joghurt nicht mehr sehen weil er nicht mehr schmeckt, weil man ihn zu oft gesehen hat.
Irgendwann blieben die Aufträge aus, bzw. es wurden weniger, und dann passiert folgendes: Erfolg bleibt aus, kein Glamour mehr und dann sitzt man als B Promi im 90Grad, zwischen zig Leuten die es nicht ernst mit einem meinen, und poliert sein Ego auf, weil man alles dennoch glaubt, weil man es glauben will.
Er feierte also bis zum Umfallen, und irgendwann verbrachten wir mehr und mehr Zeit mit einander. Wie schon erwähnt tanzte ich sogar mal für 4 Wochen als GoGo im 90Grad, nur weil ich ein Auge auf ihn haben wollte.
Die Zeit damals war keine einfache für diesen jungen Mann, und er ist eine große Ausnahme, denn nach einem schlimmen Tief mit allem was ich später noch an Hand von anderen Personen aufzählen werde, hat er es geschafft wieder zu sich selbst zurückzufinden.
Vielleicht, und das denke ich bis heute noch, hatte ich daran auch einen Anteil.
Heute ist er einer der Menschen die ich nie wieder in meinem Leben missen möchte, hat eine wunderschöne Freundin, einen tollen Job und hat sich auf das zurückbesonnen was in seinem Leben wirklich wichtig ist.
Ich sollte vielleicht noch erwähnen, das er mich auch zu einem Handball Fan gemacht hat, denn er spielte damals noch beim HSG Charlottenburg und sah einfach großartig aus in seinem Handball Outfit. Was ich später in meinem Leben dann noch mit Handball zu tun hatte, und was das mit Franziska van Almsick zu tun hatte dazu später mehr.
Er hat die "Abstellkammer" des 90Grad damals wieder gegen ein Leben getauscht, doch allen gelang das damals nicht.
Das Bild entstand damals genau in dieser Zeit.
Es zeigt mich und Christoph, der damals dort arbeitete.


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