Samstag, 12. September 2009

Was kam nach der Zoom Medienfabrik...

Nach der ganzen Erzberg Katastrophe tat ich was wahrscheinlich am sinnvollsten war: Ich nahm mir Zeit zum nachdenken.

Dann im Sommer flog ich mit meiner Mama nach Mallorca um mal eine Woche Urlaub zu machen. Schnell war mir langweilig und ich lernte Leute in einer kleinen Bar kennen, dem "Upstairs" in Calle d´ore.
Es stellte sich dann später heraus das der Besitzer Harry Wijnvoord´s Sohn, Alex gehörte. Der Preis ist heiß war in meiner Jugend meine Lieblings Sendung.

Irgendwann eines Abends als ich im "Upstairs" mal wieder meinen Abend verbrachte, eine Runde Billard spielte, lernte ich ein paar lustige Zeitgenossen aus Köln kennen. Sie waren etwas älter als ich, aber nicht sonderlich.
Ein Sommer Flirt, eine kleine Liebelei. Lazy Youth. So nannte sich der junge Mann als DJ und ich war hin und weg.
An diesem Abend verbrachten Lazy und ich die Nacht am Strand und er erklärte mir die Sterne am Himmel.
Ich sah die Jungs dann noch ein oder zweimal auf der Insel, dann flogen sie zurück nach Köln, wo sie als DJ Team regelmässig auflegten.

Auch meine Zeit auf Mallorca war bald zu ende und wir flogen nach Berlin.

Verliebt wie ich war, dauerte es nicht lange bis ich meine Mutter vor vollendete Tatsachen stellte: Mama ich ziehe nach Köln.
Ohne Schulabschluss, ohne Job, ohne Aussicht.

Damals stellte ich zum ersten Mal fest, das ich ein Glückspilz bin, denn ich bekam aus heiterem Himmel einen Ausbildungsplatz in Köln und zwar beim LOOP Magazin.

Diese Zeit sollte eine der besten, aufregendsten und zugleich wichtigsten in meinem Leben werden.

Wie kommt man vom LOOP Magazin zu JIVE Records, das alles in 4 Monaten und findet sich auf einmal in der Flora wieder um eine Goldverleihung für Britney Spears zu organisieren?


Wie die Affen im Zoo - oder auch die VIPs im 90Grad


Bevor ich dazu komme wie alles nach meinem ersten, eher katastrophalen Ausflug in die Welt der Bühnen und Musik in Graz weitergeht, denke ich ist es ein paar Zeilen wert, noch einmal die "goldenen" Zeiten des 90Grad in Berlin zu beleuchten.

Zu der Zeit als ich bei Zoom arbeitete war das 90Grad in Berlin der Hotspot für VIPs, russische und jüdische reiche Mädchen vom Ku`Damm und Möchtegern Kids von den besseren Gymnasien in Berlin.

Um Ehrlich zu sein weiß ich nicht mehr genau, wie warum oder was mich dort hin verschlagen hat, aber irgendwann war ich eben dort.
Nach einigen Samstagen im 90Grad drehte sich bald auch bei mir viel darum: was zieh ich an, mit wem gehe ich dort hin und so weiter.

Für mich war es dort immer wie ein Käfig voller Idioten, und ich mitten drin.
Parties und Alkohol mochte ich nie. Ich denke das liegt daran, wie ich aufgewachsen bin, und heute liegt es daran das man in dem Mediengeschäft zu oft geschäftlich auf Events muss, socialisen, Kontakte knüpfen und so weiter.

Meine Schwester Yasemin hatte mit Ihrem jetzigen Ehemann als ich noch sehr jung war ab und an Events organisiert auf denen ich dann entweder an der Bar oder an der Tür ausgeholfen habe. So lernte ich auch Smiley kennen, meinen Onkel, meinen Fels in der Brandung und immer noch ein fester Bestandteil im Berliner Nachtleben und meinem Leben den ich nicht mehr missen möchte. Ebenfalls lernte ich Fabian A. kennen, von dem alle damals davon ausgingen er würde mein zukünftiger Ehemann werden, aber dazu vielleicht an passender Stelle mehr.

Zurück zum 90Grad oder auch dem Marktplatz der Eitelkeiten, dem Sumpf aus Drogen, Alkoho, Prostitution und Möchtegern VIPs.

Irgendwann lernte ich immer mehr Leute dort kennen und war ein fester Bestandteil des Inventars. Sei es nun O. Juhnke, ein Zahnarzt aus Berlin Charlottenburg oder auch diverseste VIVA Moderatoren.
Mir wurde schnell klar, das all diese Menschen eigentlich einsam sind. Jeder profilierte sich, jeder feierte den anderen und vor allem sich selbst.

Eines wiederholte sich jeden Abend aufs neue: Die Highsociety von Berlin verschwand alle 5 Minuten in ein Hinterzimmer, ich nenne es Abstellkammer, für diese armen Seelen war es wohl der special VIP Bereich. Was dort passierte? Na was wohl: sie gingen rein mit einem Wodka Red Bull in der Hand und kamen heraus mit einem breiten Lächeln. Kokain war in den 90ern zwar noch nicht so populär wie es jetzt ist, aber nach Ecstasy die zweitbeliebteste Droge.
ich denke das meine über alles geliebte Mutter damals zum ersten mal Angst bekam das ich Drogen abhängig werden könnte.

Es muss eines Abends gewesen sein das mein Augenmerk ganz besonders auf einen jungen Mann fiel: Sebastian R.
1992 gewann er den "Gesicht" Modelnachwuchswettbewerb und moderierte eine Single Show auf SAT 1.

Er war groß, hatte ein ansteckendes Lachen und war immer von jeder Menge Leute umgeben.
Bevor sich das hier gleich anhört wie eine Liebesgeschichte und ein schlimmer Kitsch Roman, so war es nun wirklich nicht. Eher war es für mich eine Fallstudie.
Dieser junge attraktive Mann, der vor dem Gewinn dieses Model Contests sicher ganz normal auf einem Gymnasium in Berlin seine Bahnen zog, war auf einmal ein Gesicht im öffentlichen Leben. Alle zogen und zerrten an ihm und sein Gesicht wurde als Produkt vermarkter wie eine neue Sorte Joghurt für die Mann massig Anzeigen schaltet Werbespots dreht und irgendwann kann man den Joghurt nicht mehr sehen weil er nicht mehr schmeckt, weil man ihn zu oft gesehen hat.

Irgendwann blieben die Aufträge aus, bzw. es wurden weniger, und dann passiert folgendes: Erfolg bleibt aus, kein Glamour mehr und dann sitzt man als B Promi im 90Grad, zwischen zig Leuten die es nicht ernst mit einem meinen, und poliert sein Ego auf, weil man alles dennoch glaubt, weil man es glauben will.

Er feierte also bis zum Umfallen, und irgendwann verbrachten wir mehr und mehr Zeit mit einander. Wie schon erwähnt tanzte ich sogar mal für 4 Wochen als GoGo im 90Grad, nur weil ich ein Auge auf ihn haben wollte.

Die Zeit damals war keine einfache für diesen jungen Mann, und er ist eine große Ausnahme, denn nach einem schlimmen Tief mit allem was ich später noch an Hand von anderen Personen aufzählen werde, hat er es geschafft wieder zu sich selbst zurückzufinden.
Vielleicht, und das denke ich bis heute noch, hatte ich daran auch einen Anteil.
Heute ist er einer der Menschen die ich nie wieder in meinem Leben missen möchte, hat eine wunderschöne Freundin, einen tollen Job und hat sich auf das zurückbesonnen was in seinem Leben wirklich wichtig ist.
Ich sollte vielleicht noch erwähnen, das er mich auch zu einem Handball Fan gemacht hat, denn er spielte damals noch beim HSG Charlottenburg und sah einfach großartig aus in seinem Handball Outfit. Was ich später in meinem Leben dann noch mit Handball zu tun hatte, und was das mit Franziska van Almsick zu tun hatte dazu später mehr.

Er hat die "Abstellkammer" des 90Grad damals wieder gegen ein Leben getauscht, doch allen gelang das damals nicht.

Das Bild entstand damals genau in dieser Zeit.
Es zeigt mich und Christoph, der damals dort arbeitete.

Freitag, 11. September 2009

Wie begann das alles eigentlich noch einmal...

Als ich beschlossen habe diesen Blog zu schreiben, musste ich wirklich nachdenken, wie genau das denn alles angefangen hat.
Irgendwann fragt man sich: wann genau bin ich da angekommen wo ich jetzt bin?
und eigentlich ging alles ganz schnell.

Da ich nie ein großer Fan des Gymnasiums war, welches ich besuchte, war ziemlich schnell nach dem Praktikum in der 9 Klasse klar, das ich dahin nicht mehr zurück gehen würde.
Die alte Leier: Sie ist intelligent, gibt sich aber keine Mühe.

Mein Praktikum machte ich im Musical Theater des Musicals Space Dream in der Maske, und mit 13 denkt man dann natürlich sofort: THAT`S IT. Mama ich werde Maskenbildnerin, was ich dann natürlich doch nicht geworden bin.

So etwa mit 16 nach einem, ich nenne es jetzt einmal: kreativem Jahr Pause, dem ersten Liebeskummer mit Sven U. beschloss ich dann mir ein Praktikum zu suchen, und es wurde:
ZOOM Medienfabrik unter der Leitung von Felix N.
Ich startete als Assistentin für eine Frau deren Namen ich vergessen habe, sie kann also nicht wirklich beeindruckend gewesen sein.

In dieser Zeit entdeckte ich auch das Berliner Nachtleben mit all seinen Vor und Nachteilen, mit all seinen schillernden Persönlichkeiten die aber allerdings nur in der Nacht schillernd und am Tage dann einfach nur hässlich und und grau waren.

Eines Tages machte ich dann meine erste Begegnung mit der Musik Industrie, als bei ZOOM ein Fax angeflogen kam: Die Fantastischen Vier - Was geht...?! der Film, und unsere Agentur sollte die PR Arbeit machen (PR- Public Relation - mit anderen Worten der ganzen Welt erzählen wie toll ein bestimmtes "Produkt" ist, wie ich es auch hasse immer alles als "Produkt" zu betiteln).
Ich natürlich total aufgeregt - auch wenn ich die Band damals nur für 2 Dinge in meiner Erinnerung verankert hatte: Meine beste Freundin liebte Michi Becks Eckzähne, und bei "Sie ist weg" hat Sven U. mit mir Schluss gemacht.

Ich bekam also dieses Projekt zugeteilt. Was mir mehr als Recht war, nachdem mein damaliger "Typ" gerade mit mir Schluss gemacht hatte, wollte ich nur noch arbeiten.
Der Typ hatte doch echt die Dreistigkeit besessen zu der Eröffnung eines der Häuser für die wir den Opening Event ausgestattet hatten mit einer anderen Braut aufzutauchen. Er hatte damals eine sehr schwere Phase. Um ein Auge auf ihn zu haben, und sicher zu gehen das ihm nichts passiert habe ich sogar mal einen Monat im 90Grad in Berlin als GoGo getanzt.
Mittlerweile, gehört Sebastian R. zu einem meiner liebsten Freunde, aber das war nicht immer so.

Kurz um, ich stürzte mich komplett auf dieses Projekt und mein Ziel war: Eine Pressekonferenz, in Graz / Erzberg.
Das hiess einen Sack voll Journalisten in ein Flugzeug setzen und dort hin fliegen.
Es war die letzte Show der 4:99 Tour, mein erstes Fanta 4 Konzert, und ich konnte nicht im geringsten erahnen was mich erwartete.

ich arbeite tag und Nacht, 2 Wochen lang an der Planung und Umsetzung dieses PK. Alles war fertig, mein damaliger Chef Felix N. setzte mich quasi noch mit den Worten ins Taxi: das wird super. PUSTEKUCHEN
Damals musste ich zum ersten mal feststellen, das nur weil sich ein Mensch CEO oder Chef oder Manager nennt, es noch lange nicht bedeutet, das er ehrlich ist! Titel sind nichts weiter als ein Stück Mauer hinter der sich Menschen, mit Vorliebe Männer gerne oft und lange verstecken.

Ich kam also nach einem schlimmen Flug im Erzberg an und meldete mich so wie mein "Chef" es mir sagte am Backstage Eingang. Oh Wunder: keiner dort wusste etwas von einer PK.

Es wurden mehrere Leute gerufen, und ich hörte nur: holt die Tourmanagerin, holt den Booker holt den und jenen.

Irgendwann stand dann der Booker vor mir der mir in einem etwas lauterem aber der Situation passendem Ton erklärte, das diese PK meiner Agentur auf Grund von Zeitmangel abgesagt wurde, bzw. verschoben. Jawoll mein so called CEO des Vertrauens hatte mich ins offene Messer laufen lassen.
Hinter mir an die 15 total verstörte Journalisten, versuchte ich zu retten, was zu retten war: ich weinte!
Patty die damalige Tourmanagerin nahm sich meiner an, und nach einer halben Stunde im Regen wollte dann Smudo mit mir sprechen, per Telefon.
Er erklärte mir den Sachverhalt nochmals, und ich traf eine Entscheidung: ich nahm mein Handy und kündigte meinen Job auf allen Mailboxen meines Chefs.

Irgendwie hatten die 4 wohl Mitleid und gaben dann doch noch die PK.
Es stürmte und regnete und ich bot meine Hilfe dann als wenigstens kleine Entschädigung an und huschte durch den Regen um auf dem Festival Gelände Red Bull zu kaufen der im Backstage ausgegangen war.

Das Konzert muss wirklich toll gewesen sein, jedenfalls erzählten mir das die Journalisten später, leider bekam ich nicht wirklich etwas davon mit.
Ich weiß noch das Thomas D. wirklich Mitleid mit mir hatte nachdem ich in Tränen aufgelöst um die Ecke vom Tourbus auf einem Stein im strömendem Regen saß und brachte mir eine Decke.

Damals hätte ich nie gedacht, das diese Band, und die Menschen die ich an diesem Tag kennenlernte, mich eine lange Zeit in meinem Leben begleiten würden. Und sie tuen es noch.

Die Nacht war kurz, der Rückreisetag lang.
Zurück in Berlin ging ich ins Büro, nahm meine Sachen und ging nicht mehr zurück.

So, jedenfalls denke ich das, kam ich zur Musik.
Dennoch, es sollte alles noch ganz schön hektisch und schlimm werden.


Vor ab gibt es folgendes zu sagen...

Bevor hier Stimmen laut werden, die diesen Blog falsch verstehen.
Es geht mir nicht darum gnadenlos über unzählige Menschen herzuziehen.
Vielmehr geht es mir darum, einerseits Leuten, von denen ich viel gelernt habe zu danken, andererseits aufzuzeigen das, dass so genannte: Show - Medienbizz nicht immer so glänzend ist wie alle denken.

dennoch gibt es nur wenige vor denen ich Respekt habe und denen ich einiges zu verdanken haben, genau diese Menschen sind es, die für mich eine Verweildauer in diesem Geschäft haben, Menschen die ich immer noch ernst nehmen kann.

Menschen wie: Inis Philipp, Kerstin Zimmermann, die mich auf den Weg gebracht haben.
Mark Löscher der mir immer offen und ehrlich die Meinung gesagt hat und mich dennoch hat mich selbst finden lassen.
Mit den Größten Respekt habe ich vor Bär -Andreas Läsker - und den 4 Jungs, die da heissen die Fantastischen Vier und das zu recht, die ich 5 Jahre - Chefs - nennen durfte.
was das Thema Geduld angeht, so habe ich wohl gelernt am geduldigsten zu sein, während der Zusammenarbeit mit S. Schulmeister.
Wie man unschwer schon an dieser Auflistung erkennt, ist dieses Geschäft eine von Männern dominierte Welt.

Ich bin kein Engel, und das habe ich nie behauptet.
Wie alles anfing, warum ich viel Zeit in LA verbracht habe und wo ich heute stehe und warum Robbie Williams und die Rolling Stones dabei eine Rolle spielen...jedes Ereignis aus diesen 12 Jahre wird hier einen Platz finden...

Tue ich das um mich zu profilieren? NEIN
ich tue es vielmehr um mich selbst und vielleicht auch andere zu therapieren.

Eine Erkenntnis aus den letzten 12 Jahren ist sicherlich auch: Wochenende...das gibt es nicht.

Bis bald

12 Jahre Industrie - war das alles?!

Schon wieder ein neuer Blog?
Schon wieder jemand der seinen Brei allen da draußen zum lesen unter die Nase halten muss?
Schon wieder die Ego Ergüsse von jemandem der ansonsten keine Freunde zu haben scheint?
NEIN
Hier soll ein Blog entstehen, der die letzten 12 Jahre meines Lebens wieder spiegelt.
12 Jahre in einer Industrie, die einen entweder auffrisst oder in der man lange und erfolgreich überleben kann, ohne einer von denen zu sein, die nur hohles wertfreies und haltfreies Zeug erzählen.
12 Jahre in denen ich von der Pike auf alles was man zum Überleben braucht, von Zoom Medienfabrik und der PR für Babelsberg und Hollywood Filme, über LOOP Magazin, bis hin zu JIVE Records (R.I.P.), Four Music, Marc Ecko Enterprises bis hin zum Geschäft mit Millionen im Finanz Bereich, Justin Timberlake und schlussendlich den Göttern des Rock und Pop: Rolling Stones und Robbie Williams, gelernt habe.
12 Jahre in denen ich habe viele kommen und gehen sehen.
12 Jahre die ich nicht missen möchte und sie dennoch des öfteren verdamme.
12 Jahre voll von witzigen, emotionalen, tragischen und zehrenden Momenten.
12 Jahre die mir jetzt vorkommen wie mehrere von einander unabhängigen und verschiedene Leben.

Hier wird nach und nach ein Lexikon aus all diesen Dingen entstehen...Etwas zum Nachlesen, zum Schmunzeln und auch zum Nachdenken...

Am Ende kommt man egal mit welchen Problem, Job, Passion, Projekt immer wieder zu dem selben Schluss: entweder man liebt es oder man hasst es.

So geht es den Leuten auch mit mir:
Die einen kennen mich - und die anderen können mich