Montag, 14. September 2009

Da war doch was mit R*Kelly...feiern mit den Jivlern

Nach der kleinen Rückblende in die Loop Zeit, jetzt einmal zu kleinen Geschichten mit denen die Künstler uns tag täglich bei Jive erfreut haben.
Einige davon hatte ich schon völlig verdrängt, wie zum Beispiel das Thomas L und Timo L mal das komplette Catering leer gefuttert haben was eigentlich für NSync gedacht war, Verfolgungsjagden mit Britney Spears im Van und den so gehasst und doch geliebten Paparazzis, einer Fan Attacke auf die lieben Backstreet Boys vorm alten VIVA Studio.

Wer erinnert sich nicht an die Geschichte mit R*Kelly. DAS Video was überall kursierte, wie der DON es sich von einer Minderjährigen mal so richtig schön oral besorgen lies.
Alles fiese Lügen hieß es damals. Meine Kollegin Bettina war geschockt, da sie selbst ein Riesen Fan des DON war.

Eines morgens kamen wir also alle ins Büro, und nachdem unser Chef Kurt T. uns erst das neue Britney Video zeigte wo sie sich elegant, oder wie ich es eher nennen würde höchstgradig bescheuert auf einem Motorrad rekelte, kam der Knüller, der Bettina dann auch zum Weinen brachte: Kurt zeigte uns DAS Video!

Wir konnten es alle kaum glauben! Aber es sah wirklich so aus als sei es Mister Robert Kelly der sich dort von einer schönen jungen Frau, oder eher auch einem Teenager, Oral befriedigen lies.
Es sei einmal dahingestellt ob das alles nun den Tatsachen entsprach oder nicht, aber wir waren alle geschockt.

Bettina hatte lange und mühsam an dem Album gearbeitet, war zum Videodreh sogar in den Bergen irgendwo in den USA, und flog mit einer Vielzahl von Journalisten nach Chicago um dort den Don bei Interviews zu betreuen. leider tauchte der Don nur leider nie auf und die ganze Presse Reise war für die Katz...(woher kommt mir das nur bekannt vor).

Ebenfalls gab es mal einen Kollegen, der während der PopKomm ein TV Gerät aus seinem Zimmer mitten auf die Strasse schmiss und intern wurde noch diskutiert oder er dieses nun selbst zahlen müsste, oder ob das die Firma übernehme, denn ich denke ab einem gewissen Punkt hat die Firma auch eine Verantwortung gegenüber des Arbeitnehmers und allem was dieser Psychisch und Physisch aushalten kann.

Wir sind damals alle an unsere körperlichen und geistigen Grenzen gegangen.
Sei es nun auf Grund von zu vielen Überstunden oder der ewige Kampf mit dem New Yorker Büro.

Der Kampf mit den USA Kollegen ging manchmal wirklich auch zu weit. Da hat man das Gefühl bekommen, die scheren sich um den Deutsch / Europäischen Markt genauso wenig wie all die Jahre vor Obama um ihre Präsidenten die ihr Land vertreten.

ich weiß noch das Bettina einmal in schallendes Gelächter verfallen ist, als es darum ging das wir neue Pressefotos von dem guten R*Kelly brauchten, und was bekam sie: von einem Fotoshooting was mehrere hundert tausend DM gekostet hatte? Ein unscharfes, hässliches Güte Klasse D Foto.
Da wird von einem erwartet einen Künstler gut zu promoten, und dann bekommt man so etwas.

Auch wenn die Zeiten manchmal IRRE waren...moment irre beschreibt es noch nicht passend...mhhhh mir fällt aber auch kein anderes Wort ein...dennoch, haben wir auch gute Zeiten gehabt!

Gut war zum Beispiel auch, das Philip D. Jung unser A&R Mensch einmal die Woche in einer kleinen Bar in Köln aufgelegt hat. Mit anderen Worten, am nächsten Tag war die komplette Firma hinüber.

Wir hatten zwei junge Männer bei Jive, die definitiv keiner schönen Frau widerstehen konnten und auch vor der eigenen Belegschaft nicht halt gemacht haben ;-) Philip und Joe.
Mit Philip kam ich immer super klar, der war verrückt, aber das mochte ich!
Nur mit Joe, tja mit Joe hatte ich so meine Probleme! Warum das so war weiß ich heute nur gar nicht mehr genau. Was ich aber noch weiß, war das ich auf der Rednex Goldverleihung, bei der die Band sich völlig weggeschossen hat und irgendwann besoffen alle miteinander gegen den Tresen pinkelten, ein Gespräch mit Joe anfing, warum auch immer.
Irgendwann knallte er mir aber laute unschöne Dinge an den Kopf, die ich erwiderte mit: Von dir lass ich mir nix sagen, du bist doch eine männliche Schlampe!

Heute sind Joe und ich befreundet, was wohl auch daran liegt das ich erwachsener geworden bin, als auch an der Tatsache, das Joe als ich dann meinen letzten Tag bei Jive Records verbrachte einen Anruf von ihm bekam indem er mich verabschiedete und meinte ich hätte ja immer einen super Job gemacht und er es schade fänd das ich die Firma verlassen würde.
Zu meinem Abschied bei Jive aber später mehr...

Ein anderer Kollege den ich damals so sehr ins Herz geschlossen hatte, so wie fast alle bei Jive Records, war unter anderem auch Thomas (ja davon hatten wir mehrere) aber dieser Thomas saß unten, da wo die eigentlich cooleren saßen.
Sein Büro ähnelte mehr einem schwarzen Loch. Die Jalousien waren immer heruntergelassen, es roch nach Zigaretten, denn in seinem Büro durfte man rauchen :-) !!! yippie... da gab es nämlich auch immer gute Musik auf die Ohren, denn ab und an wurde einem das ganze Pop Geschisse im oberen Stockwerk echt zu dumm!

Noch ein anderer Mensch, der mich auch noch lange nach Jive Records begleitete, war Dietrich Eggert. Warum ich diesen Namen komplett ausschreibe und nenne? Über Dietrich gibt es nur gutes zu sagen und er verdient einen gesonderten Post.

Sollte ich heute noch dazu kommen, dann lest ihr noch spannende Dinge wie: Mystikal und das Top of The Pops Desaster, wie ich Mark L. von Four Music kennen lerne und warum ich auch einmal immer zwischen Stuttgart und Köln pendelte.

Lasst euch von dem Montag nicht die Woche versauen, Dienstag ist gleich um die Ecke!

Abschliessend erreichte mich gerade noch dieses:
Silke H. hat sich wohl darauf besonnen, dass das Leben aus mehr als nur Stress und Marketing besteht und ich freue mich, das sie anscheinend eine Erfüllung darin gefunden hat anderen zu helfen: http://www.sunshinecoasthy
pnosis.com.au/gpage.html


Kleiner Nachtrag zum LOOP Magazin

ich habe gerade einen kleinen annonymen :-) comment bekommen und bin sehr froh darüber, denn an manche dinge kann selbst ich mich nicht mehr genau erinnern:


Wenn ich mir jetzt die Fotos von dieser „Loop PopKomm“ noch Mal ansehe, fällt mir ganz viel wieder ein... Allein diese Stress-Messe an sich würde schon etliche Seiten füllen… (Stich-Wort: M.R. und ihre Ausraster gegenüber „uncool gekleideten“ Standbesuchern, die sie wegpöbelte, weil sie nicht wollte, dass sie sich hinsetzten und den schicken Stand „belagerten“…) (Es waren allesamt Musiker & Plattenfirmen-Promoter und u.a. auch Nilz…)


Aber zurück zum Loop. Alles, was Du schreibst, war GENAU SO. Aber die wahren Hintergründe sind ja noch viel perfider! :

Es ging ja bei diesem fiesen Mobbing gegen Dich gar nicht um Deine Leistung oder gar Diebstahl, sondern darum, dass Du bei der KdH „Everybodies Darling“ warst – und Dich nicht in Peter verguckt hattest… (ooooch....) Erst haben sie versucht, Dir zu unterstellen, dass Du eine Hure wärst und mit jedem Mann mit dem Du rumkuscheltest auch ins Bett gingst. Und als das nicht funktionierte, weil jeder im KdH-Haus hinter Dir stand, kamen sie mit diesen „Klauerei-Anschuldigungen“ um die Ecke… An die Jacke von Craig David kann ich mich nicht mehr erinnern – wohl aber, dass Michiko behauptete, Du hättest aus den Klamotten-Kisten aus dem Keller diverse Hosen gestohlen* – und von Dir verlangte, dass Du für die Hose, die Du trugst (und in Berlin gekauft hattest) den Kassenbon vorzeigen solltest… Du kamst in Tränen aufgelöst bei mir an**, weil sie Dich dazu zwingen wollte, Deine Mutter in Berlin anzurufen, damit die alle ihre Taschen & Tüten nach der Quittung durchwühlt. Zum Glück fiel mir dazu ein, dass die Promo-Teile für die Shootings ja spezielle Label-Etiketten eingenäht hatten – und so konnten wir beweisen, dass Deine Hose aus einem Laden war…

*dazu später mehr!

**Du hast da gerade für 3 Wochen „richtig“ bei Ines gewohnt = weil Du noch auf das Freiwerden des Zimmers in der Dasselstraße warten musstest und bei Deinem nun Ex-Freund nicht mehr länger wohnen konntest. Als M&P rauskriegten, dass Du bei Ines wohnst, sind sie total ausgerastet: Ines würde ihnen in den Rücken fallen, wie sie so etwas wagen könnte…


Ich schreibe diesen Blog ja nicht, um andere runter zu machen und mich dabei als Englein darzustellen.
Wenn ich sicher einen Fehler habe, der mir aber auch sehr oft viel Zuspruch bringt, dann ist es alle Leute gleich, fair und liebevoll zu behandeln so lange es keinen Grund gibt, dies nicht zu tun.
Das bringt mir oft den Ruf ein ich sei eine Schlampe, auch wenn ich mit vielen Männern nie ein Verhältnis hatte sondern einfach nur gut befreundet war.
Ich denke es gibt gewisse Dinge, die kann man nur als Team erreichen und dazu gehört mit Sicherheit auch das herausbringen eines Magazines, denn niemand schafft dies alleine. Es geht um Teamwork. So wie bei allem im Jobleben. Wenn das Team nicht funktioniert, funktioniert der Job nicht!

Zu den Diebstahl Vorwürfen von M.R.: jeder der mich kennt weiß das mein arabischer Arsch sicherlich nicht in eine 36 Konfektionsgröße passt, also was hätte ich mit der Hose machen sollen, sie als Armstulpen tragen?

Das mal als kleiner Nachtrag zu meiner Loop Zeit!

Erster Tag bei Jive Records - ANGST! und Silke H.

Pünktlich um kurz vor 9Uhr stand ich dann auch schon bei Jive auf der Matte. Ich hatte ja keinen Schimmer was mich erwarten würde.

Als erstes zeigte mir Silke H. meinen Arbeitsplatz, im oberen Stockwerk gleich neben Manuel S. und Bettina.
Dort oben saßen ein paar lustige Gestalten, die alle sehr engagiert in ihr Telefon quasselten, wie wild auf ihrer Tastatur rumhackten. Es war ein lautes bunter Treiben, und irgendwie kam ich mir vor, wie auf einem anderen Planeten.

"Hallo" war so ziemlich das einzige was ich an diesem ersten Tag rausbrachte. Ich verbrachte den ersten Tag komplett eingeschüchtert und ängstlich hinter meinem Bildschirm und bewegte mich nicht einmal dort weg um auf die Toilette zu gehen.
Da saß ein Haufen Leute, die alle schon jahrelang in dieser Industrie arbeiteten, na ja und eben ich. Mrs. keine Ahnung, Mrs. null Erahrung.

Am zweiten Tag traute ich mich immerhin schon, mir einen Café zu holen und die Toilette zu benutzen. Auch eine Zigarettenpause mit meiner Vorgesetzten war dann drin.

Im Laufe der Wochen stürzte ich mich mehr und mehr in die Arbeit: Freigaben für Artworks, Angebote einholen, mit Managements telefonieren und was man nicht so alles macht.

Schnell verbrachte ich immer mehr und mehr Zeit mit Manuel S. und wir wurden ein paar, was dann auch das erste und letzte Mal war, das ich einen Freund in der Firma hatte, für die ich arbeitete, denn persönliche Differenzen wurden schnell auch zum Firmengespräch.
Heute denke ich, das ich mich an Manuel festgeklammert hatte um mich dort nicht so einsam zu fühlen.

Es gab eine junge Dame, der die Sache zwischen mir und Manuel gar nicht schmeckte, unserer reizenden Frontdesk Lady Dewi S.
Ich bekam schnell zu spüren, das sie nicht wirklich happy mit diesem Umstand war, aber das war dann auch bald vergessen.
Heute habe ich immer noch Kontakt zu Dewi und kann nur sagen: wahnsinns Braut.
ich erinnere mich noch, als sei es gestern, das ich eines morgens ins Büro kam, und die gute Dewi nicht gewohnt hinter ihrem Counter saß.
nachdem sie auch nicht in der Kaffee Küche stand, lief ich einmal um den Counter. Und da lag sie dann, unter dem selbigen. Etwas grün im Gesicht und sehr müde mit einer Flasche Desinfektionsmittel neben sich.
Die Frage lag auf der Hand: "Dewi, bist du schwanger?"
Sie entgegnete natürlich mit einem sehr deutlichen "NEIN"...ein paar Wochen später jedoch, war es nicht mehr zu übersehen, und wir freuten uns alle sehr für sie, auch wenn es für sie sehr unerwartet kam.
Ich kann nur sagen, ihr Sohn ist ein wahrer Engel und hat alles gute von ihr geerbt.

Auch Dewis Schwester arbeitete bei Jive. Im MArketing so weit ich mich erinnere. Ich denke sogar, sie war die direkte Assistentin für Silke H.
Ich konnte nicht verstehen, das Carmen oft genervt von Silke war, später stellte sich jedoch heraus, das Mrs. H seeeehr anstrengend sein konnte, und auch nicht wirklich professionell, was ihren Umgang mit Mitarbeitern anging.

So schrieb sie einmal meinem allerliebsten Kollegen, Thomas L., auf Grund eines kleinen Fehlers, den er wohl gemacht hatte eine bitter böse Email, auf der die halbe Welt auf Kopie stand und unterschrieb sie mit folgendem Satz: "....ohne Grüße, Silke..." nicht nur unprofessionell, sondern auch noch FIES.

Silke verließ Jive Records irgendwann.

ich fühlte mich mehr und mehr zu Hause im Mediapark. Ich bekam immer mehr Verantwortung und Arbeit auf den Tisch.
Was am Anfang Charts verschicken war, wurde mehr und mehr zum: Produkt Management national und auch mal einen Event organisieren.
Event, oder auch Goldverleihung ... und für wen: Britney Spears.
Ich war also Teil der Gruppe, die die Goldverleihung für Frau Spears zu organisieren hatte. Sebastian K. übernahm das Steuer und ich tat was man mir auftrug. Sebi und ich wurden echt Freunde, was ich nie gedacht hatte, denn ich hielt ihn für arrogant. Was sich schnell legte und ich merkte, was für eine liebe und gute Seele er doch war.
Gesagt geplant getan! Die Verleihung stand. Riesen Set up, alles in der Flora einer super Location in Köln.
Alle waren da, wirklich ALLE. Nur eine nicht: Brintey!
Die zog es vor, lieber auf ein Konzert nach Frankfurt zu fahren.
Ich tat also das was am besten war: ich feierte und versuchte den Frust darüber zu vergessen. Ich weiß noch genau ich hatte rote Schlangenleder Boots an, ja ja ich weiß, nicht unbedingt mein bester Fashion Ansatz.
Ich tanzte und lachte die ganze nacht mit den Tänzern von Britney, denn die waren natürlich alle da, denn es gab ja Getränke für lau.
Die sahen alle so toll gestylt aus, konnten sich mega gut bewegen und sprachen alle englisch. UND waren natürlich alle schwul :-)

So vergingen die ersten paar Wochen bei Jive Records, wie im Fluge.
Das mit Manuel ging zu Ende, als er für 3 Monate einen Trip in den Amazonas wagte.
Vielleicht ging es auch zu Ende, weil ich nicht mehr so richtig an uns glaubte.
Als mir meine damals noch sehr gute Freundin Gabi D. dann aber erklärte, sie sei jetzt mit Manuel zusammen, war ich schon etwas verstört, brachte es aber schnell hinter mich.

Brintey Spears und das Goldverleihungs Desaster auch hinter mich gebracht warteten schon neue Aufgaben auf mich. Es stand in naher Zukunft so viel an: nationale Bands und ihre VÖ´s so wie auch Künstler, wie R*Kelly, Backstreet Boys und das erste Solo Album von Justin Timberlake war wohl auch in der Mache.

Aber erst einmal stand ein Shooting an, mit einer Girlgroup, 3 Mädels, so á la 3 Engel für Charly, und ich muss mit Schande gestehen, ich weiß den Namen nicht mehr, was nicht weiter schlimm ist, denn der Act verschwand eh in der Versenkung.

Das Shooting war aber mehr als amüsant. Axel Schulten war der shootende Fotograph, den ich ja schon von Craig David kannte, und Sabine Berlipp wieder die Frau mit dem großartigen Gespür für Mode und Styling.
Zwei der Mädels waren echt die ober Zicken, nur die eine, die auch wirklich singen konnte war umgänglich und kooperativ.
Wir verbrachten also 20 Stunden in dem Fotostudio um schöne Bilder zu schiessen. Was dem Herrn Schulten auch gelang, natürlich gelang es ihm, denn er legte sich komplett ins Zeug und hat sich selbst fast schon in den Wahnsinn getrieben um die drei Mädels zu bendigen.

Die Single floppte und das Album erschien denke ich gar nicht erst. Aber immerhin hatten wir tolle Fotos in hundert verschiedenen Outfits. Kerstin Z. nahm es gelassen, und dafür schätze ich sie sehr.

Die Monate vergingen bei Jive Records und bald kündigte sich ein riesen Skandal um R*Kelly an. Dazu aber demnächst mehr...




Sonntag, 13. September 2009

Loop Magazin - Terror pur mit Happy End



Meine Mutter war extrem geschockt das ich nun wirklich in so jungen Jahren einfach nach Köln ziehen wollte, also schlossen wir einen Deal: ich versuchte noch 4 Wochen etwas in Berlin auf die Beine zu stellen, meine ehemalige Tanzkarriere wieder aufleben zu lassen.
Ich denke es war aber klar, das sich daraus nichts entwickeln würde. Nachdem ich also Sabrina Z. genug Selbstbewusstsein eingeflößt hatte, damit sie ihren Weg, den des Tanzen gehen konnte, packte ich ein paar Sachen zusammen und war weg.

Unnötig zu erwähnen, das als ich in Köln ankam, sich die Sache zwischen mir und Jens erledigt hatte.
Dennoch beschloss ich zu bleiben, denn ich hatte wirklich liebe Freunde gefunden, und ja immerhin auch diesen Ausbildungsplatz bei dem Loop Magazin.

ich zog in die Dasselstrasse, gaaaanz oben ins Dachgeschoss, in Gabis Zimmer.
Man muss sich das wie folgt vorstellen: Dachgeschoss, ein Bad ca. 5-6 Zimmer und in jedem Zimmer eine kleine Küche, jedes Zimmer ein anderer Bewohner, ein anderer Charakter.

Irgendwann zog das Mädchen in dem Zimmer neben Gabis Zimmer aus und ich dort ein.
Es war gemütlich, eine gute Zeit.

Nach ein paar Tagen unter der führenden Hand von Michiko R. wurde mir schnell klar, das diese Frau alles andere als einfach war. Sie war verheiratet, Ihr Mann arbeitete auch in der Firma. Manchmal wusste ich nicht ob ich Mitleid mit ihm haben sollte, oder ob er das was er da bekam mit Recht bekam. Herrisch dein Name hat ein Gesicht.

Ich machte dies und das, assistierte Michiko und irgendwann fing ich dann auch an für das Magazin zu schreiben. Die Kino News / Rezensionen.
Alles unter der Leitung der lieben Ines P. Ines sollte später noch eine wahnsinnig wichtige Rolle in meinem Leben spielen. Ines nahm sich ebenfalls meiner an, und dafür bin ich hier heute noch mehr als dankbar. Sie gehört für mich in diese Industrie wie keine zweite. Ich liebe auch heute noch ihre Art und Weise über Musik zu sprechen und zu schreiben.

Ziemlich schnell lernte ich die Bedeutung des Wortes: Deadline! Um ehrlich zu sein, ich denke bis heute das dies der richtige Name für einen Abgabetermin ist, denn das hat höchstens etwas mit Löffel abgeben zu tun!
Ines und ich schlugen uns eine Nachtschicht nach der anderen um die Ohren. Da Michiko es irgendwann geschafft hatte den größten Teil der Redakteure zu vergraulen, lag es quasi komplett an Ines, das Magazin zu füllen. Bis auf die technischen Neuheiten, die übernahm der Mister R.

Vorbei waren meine Freitag Abende im Petit Prince oder auf DJ Gigs von Lazy und Radney. Denn nichts desto trotz war Mann und Frau ja noch befreundet. Es war ein toller Freundeskreis, wahrscheinlich einer der liebevollsten den ich je hatte. Nur eine fehlte, meine allerliebste Beste Freundin: Pia. Wir kennen uns mittlerweile seit 21 Jahren, und ihr sollte ich wohl eines Tages einen eignen Blog widmen, denn so oft wie sie mir das Leben gerettet hat, so viele Leben hat keine Katze.

Ich übernachte sogar bei Ines, obwohl sie direkt an der Ecke meiner Strasse wohnte, aber 5 Minuten Schlaf bedeuteten 5 mehr als man manchmal bekam.

Manchmal gab es aber auch schöne Momente. Ines konnte leider ihre Einladung für: Die Fantastischen Vier MTV Unplugged in der Balver Höhle nicht wahrnehmen und gab sie mir.
Nicht lange gezögert, packte ich den kleinen Ruppert ein und wir fuhren los. Eine schlimme Autofahrt war das, und es dauerte ewig!
Dort angekommen war ich völlig überwältigt von dieser Höhle, die mit Ballons gefüllt waren, die das Licht von einer Seite an die andere einmal quer durch die ganze Höhle reflektierten.
Dort sah ich dann also zum ersten mal, wenn damals noch unbewusst, meinen Zukünftigen Freund, Verlobten sogar.
Aber damals hatte ich nur Augen für einen anderen jungen Mann. Den lernte ich kennen, als ich aus versehen eine falsche Nummer wählte und landete bei Bertil M. Mr. Charming und zufällig auch noch dem Mitbewohner von Thomas D. Damals trafen wir uns blind date mässig bei Habibi am Zülpicher Platz, verloren uns dann aber aus den Augen.

Der Ausflug in die Balver Höhle war eine tolle Abwechslung, blieb aber die Ausnahme. Damals konnte ich mir immer noch nicht vorstellen einmal für diese Jungs zu arbeiten.
Was würden Freunde über mich sagen. Wahrscheinlich: Ein Arbeitstier, hilfsbereit UND mega emotional.
So musste ich dann in der Balver Höhle auch schwups anfangen Bäche von Tränen zu vergiessen als Thomas D. "Krieger" anstimmte. Es hat mich gepackt und in diesen 4 Minuten schien die Welt still zu stehen und ich wusste zum Ersten mal, das ich unbedingt etwas mit Musik machen wollte. Nur was? Weiterhin die Rezensionen beim Loop Magazin zu schreiben. Es sollte mich bald sehr überraschen wie schnell sich doch Dinge ändern können.

Irgendwann kam es, wie es kommen musste: Die Stimmung im Büro wurde immer schlimmer.
Eines Tages hatten wir ein Shooting mit Craig David. Ich kannte den Typen vorher nicht, aber beim Shooting hat er mich dann überzeugt: Charmant, talentiert und wirklich gutaussehend.

Wir stellten also in der kürzesten Zeit überhaupt dieses Shooting auf die Beine, in den Rheinterrassen in Köln. Leider habe ich den Namen des Photographen vergessen, aber einen Namen vergesse ich niemals: Sabine Berlip: die Stylistin.
Ich mochte Mode schon immer, aber jetzt kam ich in einer völlig neuen Art und Weise damit in Berührung.
Als ich Sabine zum ersten Mal sah, war ich von ihrem paradiesvogelhaftem Aussehen überwältigt.

Das Shooting lief super, ich denke ich war definitiv die nervöseste am Set. Set so nennt man den Ort des Geschehens, oder auch Location. Deutsche Wörter würden sich wohl nicht "funky" genug anhören.
Komplett nervös wurde ich dann als Mr. David dann auch noch anfing für mich zu singen, zack boom ich war dahin.

Ein toller Tag ging zu Ende, und dann am nächsten Tag, der Supergau:
Ich komm ins Büro, nichts böses ahnend und Mrs. R komplett am ausflippen. Sie beschuldigte mich ich hätte eine Herren Lederjacke vom Shooting geklaut.
Na klar, was soll ich auch mit einer Lederjacke in XL!?

Mir war das alles zu viel ich packte meine Sachen und nahm die Beine in die Hand.
Unnötig zu erwähnen, das die Lederjacke wieder auftauchte und zwar beim Künstler selbst, der das gute Stück so toll fand, das er es kurzerhand behalten hat.

Damals war ich ganz schön mit den Nerven fertig, ich hab mich nicht einmal getraut es meiner Familie zu erzählen.
Ich alleine in Köln, ohne Job! Super gemacht Nadima.

Ines half mir damals sehr. Sie setzte sich mit mir hin und schrieb mit mir einen Lebenslauf, der kürzeste Lebenslauf der Welt wahrscheinlich auch:
Kein Schulabschluss
Eine abgebrochene Ausbildung

Das einzige was ich vorzuweisen hatte war meine Zeit bei der ZOOM Medienfabrik, aber nun ja die endete ja nun auch nicht wirklich gloreich.

Irgendwann sagte Ines mir, sie hätte einen Vorstellungsgespräch für mich, bei einer Plattenfirma Jive Records / Rough Trade im Mediapark in Köln.
Eine gute Freundin von ihr arbeitete dort, Uta B., eine wahnsinnig liebe Frau die eine unglaubliche Ruhe ausstrahlte, der man aber ansah, das sie wohl auch seit zig Jahren nichts anderes tat als Nachtschichten unter der Sklaverei der so gehassten Deadlines zu schieben.

Ich malte mir nicht sonderlich viele Chancen aus, und wusste nicht einmal, was die Firma dort genau suchte.
ich wurde von Uta B., direkt an Silke weiter gereicht.
Silke erklärte mir, sie suchen eine Assistenz für den Produktmanagement Bereich, national und international.
Kurz um erklärte ich ihr, das ich so etwas noch nie gemacht hatte, aber sehr lernwillig wäre und mich reinknien würde um das von mir erwartete umzusetzen.

Als ich da raus ging, hatte ich ein weniger gutes Gefühl.
Viele von denen, die dort arbeiteten, starrten mich regelrecht an als ich dort war.

Das hinter mich gebracht, fing die Zeit des Wartens an. Ja ja ich und Geduld, wer mich kennt, weiß, dass das nicht unbedingt meine Stärke ist.

Nach 2 Wochen kam dann aber doch der erlösende Anruf: "Nadima hier ist Silke, du fängst morgen an. Ich sehe dich um 9:00 Uhr!"

Das war also der Weg in die Industrie, die mir so sehr am Herzen liegt und die ich doch täglich verfluche!

Damals hatte ich noch nicht so ein dickes Fell, und auch heute könnte es noch dicker sein.
Jetzt ging es also wirklich los, ich hatte einen Job in der Musikindustrie!

Die einen kennen mich - und die anderen können mich!
ich war bei JIVE Records angekommen!

* Bild links (Ines P.), Bild rechts (Nadima und Patrick R.)