

Meine Mutter war extrem geschockt das ich nun wirklich in so jungen Jahren einfach nach Köln ziehen wollte, also schlossen wir einen Deal: ich versuchte noch 4 Wochen etwas in Berlin auf die Beine zu stellen, meine ehemalige Tanzkarriere wieder aufleben zu lassen.
Ich denke es war aber klar, das sich daraus nichts entwickeln würde. Nachdem ich also Sabrina Z. genug Selbstbewusstsein eingeflößt hatte, damit sie ihren Weg, den des Tanzen gehen konnte, packte ich ein paar Sachen zusammen und war weg.
Unnötig zu erwähnen, das als ich in Köln ankam, sich die Sache zwischen mir und Jens erledigt hatte.
Dennoch beschloss ich zu bleiben, denn ich hatte wirklich liebe Freunde gefunden, und ja immerhin auch diesen Ausbildungsplatz bei dem Loop Magazin.
ich zog in die Dasselstrasse, gaaaanz oben ins Dachgeschoss, in Gabis Zimmer.
Man muss sich das wie folgt vorstellen: Dachgeschoss, ein Bad ca. 5-6 Zimmer und in jedem Zimmer eine kleine Küche, jedes Zimmer ein anderer Bewohner, ein anderer Charakter.
Irgendwann zog das Mädchen in dem Zimmer neben Gabis Zimmer aus und ich dort ein.
Es war gemütlich, eine gute Zeit.
Nach ein paar Tagen unter der führenden Hand von Michiko R. wurde mir schnell klar, das diese Frau alles andere als einfach war. Sie war verheiratet, Ihr Mann arbeitete auch in der Firma. Manchmal wusste ich nicht ob ich Mitleid mit ihm haben sollte, oder ob er das was er da bekam mit Recht bekam. Herrisch dein Name hat ein Gesicht.
Ich machte dies und das, assistierte Michiko und irgendwann fing ich dann auch an für das Magazin zu schreiben. Die Kino News / Rezensionen.
Alles unter der Leitung der lieben Ines P. Ines sollte später noch eine wahnsinnig wichtige Rolle in meinem Leben spielen. Ines nahm sich ebenfalls meiner an, und dafür bin ich hier heute noch mehr als dankbar. Sie gehört für mich in diese Industrie wie keine zweite. Ich liebe auch heute noch ihre Art und Weise über Musik zu sprechen und zu schreiben.
Ziemlich schnell lernte ich die Bedeutung des Wortes: Deadline! Um ehrlich zu sein, ich denke bis heute das dies der richtige Name für einen Abgabetermin ist, denn das hat höchstens etwas mit Löffel abgeben zu tun!
Ines und ich schlugen uns eine Nachtschicht nach der anderen um die Ohren. Da Michiko es irgendwann geschafft hatte den größten Teil der Redakteure zu vergraulen, lag es quasi komplett an Ines, das Magazin zu füllen. Bis auf die technischen Neuheiten, die übernahm der Mister R.
Vorbei waren meine Freitag Abende im Petit Prince oder auf DJ Gigs von Lazy und Radney. Denn nichts desto trotz war Mann und Frau ja noch befreundet. Es war ein toller Freundeskreis, wahrscheinlich einer der liebevollsten den ich je hatte. Nur eine fehlte, meine allerliebste Beste Freundin: Pia. Wir kennen uns mittlerweile seit 21 Jahren, und ihr sollte ich wohl eines Tages einen eignen Blog widmen, denn so oft wie sie mir das Leben gerettet hat, so viele Leben hat keine Katze.
Ich übernachte sogar bei Ines, obwohl sie direkt an der Ecke meiner Strasse wohnte, aber 5 Minuten Schlaf bedeuteten 5 mehr als man manchmal bekam.
Manchmal gab es aber auch schöne Momente. Ines konnte leider ihre Einladung für: Die Fantastischen Vier MTV Unplugged in der Balver Höhle nicht wahrnehmen und gab sie mir.
Nicht lange gezögert, packte ich den kleinen Ruppert ein und wir fuhren los. Eine schlimme Autofahrt war das, und es dauerte ewig!
Dort angekommen war ich völlig überwältigt von dieser Höhle, die mit Ballons gefüllt waren, die das Licht von einer Seite an die andere einmal quer durch die ganze Höhle reflektierten.
Dort sah ich dann also zum ersten mal, wenn damals noch unbewusst, meinen Zukünftigen Freund, Verlobten sogar.
Aber damals hatte ich nur Augen für einen anderen jungen Mann. Den lernte ich kennen, als ich aus versehen eine falsche Nummer wählte und landete bei Bertil M. Mr. Charming und zufällig auch noch dem Mitbewohner von Thomas D. Damals trafen wir uns blind date mässig bei Habibi am Zülpicher Platz, verloren uns dann aber aus den Augen.
Der Ausflug in die Balver Höhle war eine tolle Abwechslung, blieb aber die Ausnahme. Damals konnte ich mir immer noch nicht vorstellen einmal für diese Jungs zu arbeiten.
Was würden Freunde über mich sagen. Wahrscheinlich: Ein Arbeitstier, hilfsbereit UND mega emotional.
So musste ich dann in der Balver Höhle auch schwups anfangen Bäche von Tränen zu vergiessen als Thomas D. "Krieger" anstimmte. Es hat mich gepackt und in diesen 4 Minuten schien die Welt still zu stehen und ich wusste zum Ersten mal, das ich unbedingt etwas mit Musik machen wollte. Nur was? Weiterhin die Rezensionen beim Loop Magazin zu schreiben. Es sollte mich bald sehr überraschen wie schnell sich doch Dinge ändern können.
Irgendwann kam es, wie es kommen musste: Die Stimmung im Büro wurde immer schlimmer.
Eines Tages hatten wir ein Shooting mit Craig David. Ich kannte den Typen vorher nicht, aber beim Shooting hat er mich dann überzeugt: Charmant, talentiert und wirklich gutaussehend.
Wir stellten also in der kürzesten Zeit überhaupt dieses Shooting auf die Beine, in den Rheinterrassen in Köln. Leider habe ich den Namen des Photographen vergessen, aber einen Namen vergesse ich niemals: Sabine Berlip: die Stylistin.
Ich mochte Mode schon immer, aber jetzt kam ich in einer völlig neuen Art und Weise damit in Berührung.
Als ich Sabine zum ersten Mal sah, war ich von ihrem paradiesvogelhaftem Aussehen überwältigt.
Das Shooting lief super, ich denke ich war definitiv die nervöseste am Set. Set so nennt man den Ort des Geschehens, oder auch Location. Deutsche Wörter würden sich wohl nicht "funky" genug anhören.
Komplett nervös wurde ich dann als Mr. David dann auch noch anfing für mich zu singen, zack boom ich war dahin.
Ein toller Tag ging zu Ende, und dann am nächsten Tag, der Supergau:
Ich komm ins Büro, nichts böses ahnend und Mrs. R komplett am ausflippen. Sie beschuldigte mich ich hätte eine Herren Lederjacke vom Shooting geklaut.
Na klar, was soll ich auch mit einer Lederjacke in XL!?
Mir war das alles zu viel ich packte meine Sachen und nahm die Beine in die Hand.
Unnötig zu erwähnen, das die Lederjacke wieder auftauchte und zwar beim Künstler selbst, der das gute Stück so toll fand, das er es kurzerhand behalten hat.
Damals war ich ganz schön mit den Nerven fertig, ich hab mich nicht einmal getraut es meiner Familie zu erzählen.
Ich alleine in Köln, ohne Job! Super gemacht Nadima.
Ines half mir damals sehr. Sie setzte sich mit mir hin und schrieb mit mir einen Lebenslauf, der kürzeste Lebenslauf der Welt wahrscheinlich auch:
Kein Schulabschluss
Eine abgebrochene Ausbildung
Das einzige was ich vorzuweisen hatte war meine Zeit bei der ZOOM Medienfabrik, aber nun ja die endete ja nun auch nicht wirklich gloreich.
Irgendwann sagte Ines mir, sie hätte einen Vorstellungsgespräch für mich, bei einer Plattenfirma Jive Records / Rough Trade im Mediapark in Köln.
Eine gute Freundin von ihr arbeitete dort, Uta B., eine wahnsinnig liebe Frau die eine unglaubliche Ruhe ausstrahlte, der man aber ansah, das sie wohl auch seit zig Jahren nichts anderes tat als Nachtschichten unter der Sklaverei der so gehassten Deadlines zu schieben.
Ich malte mir nicht sonderlich viele Chancen aus, und wusste nicht einmal, was die Firma dort genau suchte.
ich wurde von Uta B., direkt an Silke weiter gereicht.
Silke erklärte mir, sie suchen eine Assistenz für den Produktmanagement Bereich, national und international.
Kurz um erklärte ich ihr, das ich so etwas noch nie gemacht hatte, aber sehr lernwillig wäre und mich reinknien würde um das von mir erwartete umzusetzen.
Als ich da raus ging, hatte ich ein weniger gutes Gefühl.
Viele von denen, die dort arbeiteten, starrten mich regelrecht an als ich dort war.
Das hinter mich gebracht, fing die Zeit des Wartens an. Ja ja ich und Geduld, wer mich kennt, weiß, dass das nicht unbedingt meine Stärke ist.
Nach 2 Wochen kam dann aber doch der erlösende Anruf: "Nadima hier ist Silke, du fängst morgen an. Ich sehe dich um 9:00 Uhr!"
Das war also der Weg in die Industrie, die mir so sehr am Herzen liegt und die ich doch täglich verfluche!
Damals hatte ich noch nicht so ein dickes Fell, und auch heute könnte es noch dicker sein.
Jetzt ging es also wirklich los, ich hatte einen Job in der Musikindustrie!
Die einen kennen mich - und die anderen können mich!
ich war bei JIVE Records angekommen!
* Bild links (Ines P.), Bild rechts (Nadima und Patrick R.)


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