Als erstes zeigte mir Silke H. meinen Arbeitsplatz, im oberen Stockwerk gleich neben Manuel S. und Bettina.
Dort oben saßen ein paar lustige Gestalten, die alle sehr engagiert in ihr Telefon quasselten, wie wild auf ihrer Tastatur rumhackten. Es war ein lautes bunter Treiben, und irgendwie kam ich mir vor, wie auf einem anderen Planeten.
"Hallo" war so ziemlich das einzige was ich an diesem ersten Tag rausbrachte. Ich verbrachte den ersten Tag komplett eingeschüchtert und ängstlich hinter meinem Bildschirm und bewegte mich nicht einmal dort weg um auf die Toilette zu gehen.
Da saß ein Haufen Leute, die alle schon jahrelang in dieser Industrie arbeiteten, na ja und eben ich. Mrs. keine Ahnung, Mrs. null Erahrung.
Am zweiten Tag traute ich mich immerhin schon, mir einen Café zu holen und die Toilette zu benutzen. Auch eine Zigarettenpause mit meiner Vorgesetzten war dann drin.
Im Laufe der Wochen stürzte ich mich mehr und mehr in die Arbeit: Freigaben für Artworks, Angebote einholen, mit Managements telefonieren und was man nicht so alles macht.
Schnell verbrachte ich immer mehr und mehr Zeit mit Manuel S. und wir wurden ein paar, was dann auch das erste und letzte Mal war, das ich einen Freund in der Firma hatte, für die ich arbeitete, denn persönliche Differenzen wurden schnell auch zum Firmengespräch.
Heute denke ich, das ich mich an Manuel festgeklammert hatte um mich dort nicht so einsam zu fühlen.
Es gab eine junge Dame, der die Sache zwischen mir und Manuel gar nicht schmeckte, unserer reizenden Frontdesk Lady Dewi S.
Ich bekam schnell zu spüren, das sie nicht wirklich happy mit diesem Umstand war, aber das war dann auch bald vergessen.
Heute habe ich immer noch Kontakt zu Dewi und kann nur sagen: wahnsinns Braut.
ich erinnere mich noch, als sei es gestern, das ich eines morgens ins Büro kam, und die gute Dewi nicht gewohnt hinter ihrem Counter saß.
nachdem sie auch nicht in der Kaffee Küche stand, lief ich einmal um den Counter. Und da lag sie dann, unter dem selbigen. Etwas grün im Gesicht und sehr müde mit einer Flasche Desinfektionsmittel neben sich.
Die Frage lag auf der Hand: "Dewi, bist du schwanger?"
Sie entgegnete natürlich mit einem sehr deutlichen "NEIN"...ein paar Wochen später jedoch, war es nicht mehr zu übersehen, und wir freuten uns alle sehr für sie, auch wenn es für sie sehr unerwartet kam.
Ich kann nur sagen, ihr Sohn ist ein wahrer Engel und hat alles gute von ihr geerbt.
Auch Dewis Schwester arbeitete bei Jive. Im MArketing so weit ich mich erinnere. Ich denke sogar, sie war die direkte Assistentin für Silke H.
Ich konnte nicht verstehen, das Carmen oft genervt von Silke war, später stellte sich jedoch heraus, das Mrs. H seeeehr anstrengend sein konnte, und auch nicht wirklich professionell, was ihren Umgang mit Mitarbeitern anging.
So schrieb sie einmal meinem allerliebsten Kollegen, Thomas L., auf Grund eines kleinen Fehlers, den er wohl gemacht hatte eine bitter böse Email, auf der die halbe Welt auf Kopie stand und unterschrieb sie mit folgendem Satz: "....ohne Grüße, Silke..." nicht nur unprofessionell, sondern auch noch FIES.
Silke verließ Jive Records irgendwann.
ich fühlte mich mehr und mehr zu Hause im Mediapark. Ich bekam immer mehr Verantwortung und Arbeit auf den Tisch.
Was am Anfang Charts verschicken war, wurde mehr und mehr zum: Produkt Management national und auch mal einen Event organisieren.
Event, oder auch Goldverleihung ... und für wen: Britney Spears.
Ich war also Teil der Gruppe, die die Goldverleihung für Frau Spears zu organisieren hatte. Sebastian K. übernahm das Steuer und ich tat was man mir auftrug. Sebi und ich wurden echt Freunde, was ich nie gedacht hatte, denn ich hielt ihn für arrogant. Was sich schnell legte und ich merkte, was für eine liebe und gute Seele er doch war.
Gesagt geplant getan! Die Verleihung stand. Riesen Set up, alles in der Flora einer super Location in Köln.
Alle waren da, wirklich ALLE. Nur eine nicht: Brintey!
Die zog es vor, lieber auf ein Konzert nach Frankfurt zu fahren.
Ich tat also das was am besten war: ich feierte und versuchte den Frust darüber zu vergessen. Ich weiß noch genau ich hatte rote Schlangenleder Boots an, ja ja ich weiß, nicht unbedingt mein bester Fashion Ansatz.
Ich tanzte und lachte die ganze nacht mit den Tänzern von Britney, denn die waren natürlich alle da, denn es gab ja Getränke für lau.
Die sahen alle so toll gestylt aus, konnten sich mega gut bewegen und sprachen alle englisch. UND waren natürlich alle schwul :-)
So vergingen die ersten paar Wochen bei Jive Records, wie im Fluge.
Das mit Manuel ging zu Ende, als er für 3 Monate einen Trip in den Amazonas wagte.
Vielleicht ging es auch zu Ende, weil ich nicht mehr so richtig an uns glaubte.
Als mir meine damals noch sehr gute Freundin Gabi D. dann aber erklärte, sie sei jetzt mit Manuel zusammen, war ich schon etwas verstört, brachte es aber schnell hinter mich.
Brintey Spears und das Goldverleihungs Desaster auch hinter mich gebracht warteten schon neue Aufgaben auf mich. Es stand in naher Zukunft so viel an: nationale Bands und ihre VÖ´s so wie auch Künstler, wie R*Kelly, Backstreet Boys und das erste Solo Album von Justin Timberlake war wohl auch in der Mache.
Aber erst einmal stand ein Shooting an, mit einer Girlgroup, 3 Mädels, so á la 3 Engel für Charly, und ich muss mit Schande gestehen, ich weiß den Namen nicht mehr, was nicht weiter schlimm ist, denn der Act verschwand eh in der Versenkung.
Das Shooting war aber mehr als amüsant. Axel Schulten war der shootende Fotograph, den ich ja schon von Craig David kannte, und Sabine Berlipp wieder die Frau mit dem großartigen Gespür für Mode und Styling.
Zwei der Mädels waren echt die ober Zicken, nur die eine, die auch wirklich singen konnte war umgänglich und kooperativ.
Wir verbrachten also 20 Stunden in dem Fotostudio um schöne Bilder zu schiessen. Was dem Herrn Schulten auch gelang, natürlich gelang es ihm, denn er legte sich komplett ins Zeug und hat sich selbst fast schon in den Wahnsinn getrieben um die drei Mädels zu bendigen.
Die Single floppte und das Album erschien denke ich gar nicht erst. Aber immerhin hatten wir tolle Fotos in hundert verschiedenen Outfits. Kerstin Z. nahm es gelassen, und dafür schätze ich sie sehr.
Die Monate vergingen bei Jive Records und bald kündigte sich ein riesen Skandal um R*Kelly an. Dazu aber demnächst mehr...


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